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Von der Musikkapelle des katholischen Gesellenvereins Kaiserslautern zum Kolpingblasorchester Kaiserslautern 1912 e.V.

 

Im Jahre 1912 feierte der „Katholische Gesellenverein Speyer“ sein 50-jähriges Stiftungsfest. „Bei dieser Gelegenheit mussten wir die Feststellung machen, dass er eine eigene Kapelle hatte“. Das hat Fritz Schwalbach und Peter Sprengard sehr beeindruckt und ließ ihnen keine Ruhe. Sie erstanden eine alte Trompete, mit der sie sich dann abquälten bis sie einen einigermaßen anständigen Ton hervorbrachten - zum Schrecken ihrer Angehörigen und der Spaziergänger im Walde. Nachdem nun auch noch der Gesellenverein Kaiserslautern bei einem Festzug in Bann schmachvoll weitab von der Musik als Letzter marschieren musste, und von der Kapelle nicht viel zu hören bekam, wurde dann der Entschluss gefasst, eine eigene Kapelle zu gründen.

Da auch der damalige Präses - der Herr Geistliche Rat Ruthig – damit einverstanden war, wurde die Kapelle im Juli 1912 gegründet. „In dem damaligen Instrumentengeschäft Mallach in der Theaterstrasse haben wir dann, weil uns das nötige Geld nicht zur Verfügung stand, lauter gebrauchte Instrumente auf Ratenzahlung gekauft. Jeder Musiker zahlte sein Instrument in Raten ab.“

Kolpingkapelle unter der Leitung von Fritz Schwalbach

Fritz Schwalbach hatte die Leitung. Er, wie Eugen Schwehm und Ludwig Lieberich, gehörten lange zum „eisernen Bestand“ der Kapelle. Mit etwas Lampenfieber fand 1912 im „Rheinischen Hof“ anlässlich einer Weihnachtsfeier des Gesellenvereins, das erste öffentliche Auftreten statt.

Damals, als Fernsehen, Radio, Tonband, Kassettenrekorder, CD, Computer oder Internet noch unbekannt waren und das Grammophon noch in den Kinderschuhen steckte, war der erste Auftritt einer neuen Kapelle für viele noch ein wirkliches Ereignis. Entsprechend war auch die Resonanz in der örtlichen Presse. So schrieb der „Pfälzer Volksbote“ am Donnerstag, dem 22. Dezember 1912:

„Die Hauskapelle des Rheinischen Hofes, die so oft mit Anerkennung in Tätigkeit getreten ist, ist jetzt in der glücklichen Lage, einen kräftigen Nachwuchs melden zu können, die neue Musikkapelle des Gesellenvereins, die 28 Mann umfasst. Am kommenden Sonntag bei der Weihnachtsfeier des Vereins wird sie zum ersten Male ihr Können zeigen: was sie Interessantes bieten wird, kann man nicht schreiben, „das muss man gesehen haben“. Jeder Besucher, der etwas Verständnis für die Fähigkeiten eines noch nicht halbjährigen Sprösslings hat, wird sicher befriedigt sein, wenn der Junge auch noch hie und da quiekt. Darum nicht versäumen, nur am Sonntag ist er zum ersten Male zu sehen!“.

Und nachdem der „Sprössling“, sicher mit einer gehörigen Portion Lampenfieber, den ersten Auftritt hinter sich gebracht hatte, war im „Pfälzer Volksboten“ vom 23. Dezember 1912 folgendes zu lesen:

„Mit allgemeiner Spannung sah man der Weihnachtsfeier des katholischen Gesellenvereins entgegen, sollte doch bei dieser Gelegenheit die neu gegründete Blechmusik des Vereins zum ersten Male vor der Öffentlichkeit ihr Können zeigen. Darum waren auch am gestrigen Abend der große Saal um die Galerie des „Rheinischen Hofes“ dicht besetzt. Als sich kurz nach halb neun Uhr der Vorhang hob, präsentierte sich auf der Bühne das 24 Mann starke Orchester, das mit lebhaftem Bravo begrüßt wurde. Einige für den Abend sehr passend gewählte Musikstücke, Choräe, usw. bewiesen nun, dass die gespendeten Vorschusslorbeeren wohl berechtigt waren; was gespielt wurde, kam sehr sauber heraus, das Zusammenspiel war recht gut, kurz gesagt, das Orchester hat seine Feuerprobe glänzend bestanden. Herr Kaplan Ruthig, der auch die Versammlung zur Eröffnung herzlich gebrüßte, hielt dann eine zu Herzen gehende Ansprache … Nach weiteren Musikstücken, dirigiert teils von Herrn Schwalbach, teils von Herrn Klemenz, folgte das anmutige Weihnachtsspiel „Lissas Christabend“ …“ Nach einem solchen Debüt waren die Musiker natürlich glücklich und hochgestimmt und alle blickten zuversichtlich in die Zukunft. So begann der glanzvolle Weg der Kapelle. Bei allen kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen war sie stets zu hören und wurde mit Freude begrüßt. Nach dem ersten Verzeichnis, das am 28. September 1912 angelegt wurde, gehörten der Kapelle 30 Mann an.

 

Der erste Weltkrieg jedoch riss die Kapelle auseinander. Im Herbst 1913 mussten schon Johann Vondano, Franz Blum, Robert Schmitt, Heinrich Müller und Georg Halter ihrer Militärpflicht genügen. Damit war die erste Lücke in der Kapelle entstanden. Da während des 1914 ausgebrochenen Krieges fast alle eingezogen wurden, musste die Kapelle ihren Betrieb einstellen. Aus dem ersten Weltkrieg kehrten nicht mehr zurück: Robert Schmitt, Heinrich Müller, Baptist Schmitt, Karl Weismann, Edmund Fronhöfer, Ludwig Kling, Jakob Lembach und Ludwig Klemenz.

 

Nach Beendigung des Krieges ist es zunächst nicht gelungen die Kapelle wieder ins Leben zu rufen. Fritz Schwalbach fand keine Unterstützung.

„Erst, als wir am 4. Juni 1922 beim 1. Internationalen Gesellentag in Köln sehen mussten, dass schon viele Gesellenvereine ihre Kapellen wieder hatten, standen wir etwas beschämt da, weil es bei uns noch nicht gelungen war. Und in Köln selbst noch drangen einige Gesellen in mich, es nach unserer Heimkunft noch einmal zu versuchen und versprachen ihre Mitwirkung.“ Das war die Geburtsstunde unserer zweiten Kapelle. Man sammelte sich wieder, beeindruckt vom ersten internationalen Gesellentag in Köln, und die Kapelle war nun da für die Kolpingfamilie, die Pfarreien und überpfarrliche Veranstaltungen. Die erste Liste vom 27. Juni 1922 – also etwa drei Wochen später – weist schon 20 Namen auf. Im selben Jahr kamen dann noch Emil Schmitt, Kurt Wahl, Ludwig Wiebelt und Reinhard Grasser dazu. Viele neue Ideen und Anregungen wurden in die Tat umgesetzt und Fritz Schwalbach hatte mit seinem Elan und seiner Musikkapelle maßgeblichen Anteil an diesem Aufschwung im Gemeinschaftsleben des Gesellenvereins. So stand nun die Kapelle ein zweites Mal und konnte unter steten Ab- und Zugängen bis zum Jahre 1937 weitergeführt werden. Die Kapelle war stets da für die Pfarreien und den Verein. Sie spielte bei Gottesdiensten und Umzügen, bei Kinder- und Waldfesten, bei Familientagen und vielen anderen Veranstaltungen – auch außerhalb von Kaiserslautern.

 

Mit dem Jahre 1933, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen und die Weimarer Republik als ersten Ansatz einer zaghaften deutschen Demokratie zerschlug, begannen auch die Schikanen gegen den Gesellenverein. Die Mitgliedschaft wurde verboten, das Vermögen sollte beschlagnahmt werden. Nun waren es die Frauen, die die verbotene Mitgliedschaft ihrer Ehemänner aufrechterhielten, heimlich Beitrag zahlten und mithalfen, den Verein am Leben zu erhalten. Gegen Spottpreise wurden die Instrumente an die Mitglieder symbolisch verkauft, andere Gegenstände des Vereinsvermögens versteckt und verschwiegen.

Aus den Erinnerungen von Julius Schultz: „Am 20.02.1932 fand mit dem Reichskanzler a.D. Brüning eine Kundgebung des Zentrums in der Fruchthalle statt, welche die Nationalsozialisten zu stören versuchten. Bei dem Marsch der „Pfalzwacht“, der Selbstschutzorganisation des Zentrums, nach Beendigung der Kundgebung zur „Neuen Eintracht“, wurde der Zug von dem politischen Gegner beschossen und mit Steinen beworfen.“

Da im Jahre 1937 die Gefahr bestand, dass die Kapelle durch die GeStPo aufgelöst wird und die Instrumente und Noten beschlagnahmt werden sollten, begab sich Fritz Schwalbach ins Pfarrhaus und besprach sich mit Herrn Pfarrer Wagner. Sie kamen zu dem Entschluss die Kapelle selbst aufzulösen, was dann auch in der nächsten Musikprobe geschah.

 

Der Zweite Weltkrieg verlangte wieder seine Opfer. Das alte Vereinshaus in der Pariser Straße fiel den aliierten Bombenangriffen restlos zum Opfer, ebenso die Neue Eintracht. Was schmerzlicher war als der Verlust der materiellen Werte; der unsinnige Krieg 1939 – 1945 hatte viele junge Mitglieder aus dem Leben gerissen. So waren es diesmal neun Kameraden, die an der Front ihr Leben ließen: Peter Weber, Emil Mader, Werner Jung, Alois Martin, Ludwig Karch, Willi Huber, Philipp Kannegieser, Jakob Kafitz und Georg Elbuch. Peter Sprengard war leider während des Krieges gestorben.

 

Doch so wie sich das geschundene deutsche Volk in einer gewaltigen Energieleistung nach dem Kriege aus Schutt und Asche erhob, wie aus dem chaotischen Nichts neues Leben mühsam aber unaufhaltsam entstand, so versammelten sich auch wieder die Überlebenden der Vereinskapelle und gründeten am 15. September 1945 die Kapelle zum dritten Male.

Aus einer Niederschrift von Fritz Schwalbach vom 30.09.45:

„Pfarrer Binhold (St.Martin) erreicht im September 1945 bei der franz. Militärregierung die vorläufige Genehmigung, dass die Pfarrkapelle St.Maria Kaiserslautern als Musikkapelle des kath. Gesellenvereins ihre Tätigkeit wieder aufnehmen darf.“ In der ersten Musikprobe am 28.09.1945 im Schwesternhaus in der Klosterstraße standen zur Verfügung: Eugen Schwehm, Ludwig Burkhard, Karl Geiger, Emil Tremmel, Ludwig Liebrich, Alois Dietrich, Josef Lieberich, Hermann Weber und Emil Schmitt. Neu meldeten sich Elmar Heid, Jürgen Heid, Hermann Folz, Franz Ober, Alois Henrich, Otto Klemenz und Ludwig Lukas an. Fritz Schwalbach sagte: „ Wir werden mal wieder klein anfangen und werden, so Gott will, auch wieder hoch kommen.“

 

Die Familie Wilhelm stellte in der Folgezeit in der Gastwirtschaft „Zur fröhlichen Pfalz“ ein Kolpingzimmer zur Verfügung, dort wird auch geprobt. Die Kapelle blühte wieder auf und spielte wie in früheren Zeiten zu kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen. In den Sommermonaten blieb oft kaum ein Sonntag ohne Spielauftrag. Zum Weißen Sonntag, zum Bischofsempfang, zum Kinderfest und Martinszug, zum Fronleichnamsfest mit seiner „Reunion“, überall wurden sie gebraucht und waren zu Diensten.

Aus einer Schrift der Musikkapelle zur Generalversammlung am 13.03.52 von Fritz Schwalbach: „Einnahmen: 146.- Mark; Ausgaben: 143,75 Mark; Rest: 2,25 Mark. … Der Besuch der Proben ließ in letzter Zeit sehr zu wünschen übrig, so dass die Besetzungsfähigkeit der Kapelle darunter zu leiden hat. Es müssten junge Musiker, die noch nicht gebunden sind, der Kapelle zugeführt werden. Leider hatten wir bisher mit dem Nachwuchs recht wenig Glück. Einigen fehlt die Ausdauer, einmal ungestört ein Instrument zu lernen, anderen fehlte jedoch musikalische Veranlagung. So kam es, dass seit Wiedereröffnung der Kapelle nur 3 Lehrlinge in die Kapelle aufgenommen werden konnten. … Instrumente sind 39 vorhanden.“

Am 7. Oktober 1952 wurde die Kapelle von Maria Schutz (elf Mann) und St. Marien zu gemeinsamen Proben zusammengenommen. Obwohl dadurch zeitweise 96 aktive Musiker vorhanden waren, kam es nicht zu der erhofften Bildung einer „Vereinigten Kolpingkapelle Kaiserslautern“, wie Fritz Schwalbach es gerne formulierte und gehabt hätte. In dieser Zeit mussten viele Musiker aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden oder sie konnten den musikalischen Ansprüchen von Fritz Schwalbach leider nicht standhalten. Fritz Schwalbach 1955: „… immer mehr Instrumente sind in Folge ihres Alters nicht mehr gebrauchsfähig ...“ In einem Brief an Waldemar Ecker vom 8.08.57 schreibt Schwalbach: „ ... Am vergangenen Sonntag mussten wir in Zweibrücken beim Gesellentag (... Pfälzischer Diözesan-Kolpingtag) nur mit 1 Flügelhorn und 1 Trompete spielen ... alle anderen fehlten wegen Dienst oder Krankheit ... Weil nach unserer Rückkunft niemand Mikusch geholfen hat, das Schlagzeug heraufzutragen, hat er Krach geschlagen und die Freundschaft gekündigt und kommt nicht mehr ... haben wir nun keinen Schlagzeuger mehr ...“.

Als Vorbild ging er immer voran: Fritz Schwalbach, der am Hochzeitstag zu seiner Frau sagte, „abends könne sie nicht mit ihm rechnen, der Abend gehöre der Kapelle“. Sie hat sich damit abgefunden und keine Gardinenpredigten gehalten. Diesem Fritz Schwalbach, damals Justizoberinspektor, geboren am 06.02.1887 in Mittelbexbach, verehelicht mit Elisabeth, geborene Blum, am 17.05.1919, musste am Jubiläumstag trotz seines gewiss heftigen Sträubens ein besonders inniges und dankbares Ständchen gebracht werden. Denn was Fritz Schwalbach für die Kapelle und durch sie für das religiöse Leben in unserer Stadt getan hat, ist und bleibt wohl einmalig in Kaiserslautern. Und wie vielen jungen Musikern und Kolpingsöhnen seine unverwüstliche Treue Anstoß zu eigener Treue wurde, dass weiß Gott allein.

 

Nach dem Tode Fritz Schwalbachs übernahm der damalige zweite Kapellmeister Julius Schultz für kurze Zeit die Leitung der Kapelle. Aus seinen Erinnerungen: „Als ich nach meiner Versetzung von Speyer nach Kaiserslautern im Jahre 1951 zum ersten Male in die Probe der Kolpingkapelle kam – eingeladen von Emil Schmitt – begrüßte mich der damalige Kapellmeister Fritz Schwalbach mit den Worten: „Gott sei Dank, dass du endlich hier bist, jetzt kann ich mich bald zur Ruhe setzen.“ Ich kannte Fritz Schwalbach schon aus der Zeit vor 1933. Nach dem Krieg führte ich die Dompfarrkapelle Speyer und das wusste Fritz Schwalbach. Vorerst war ich also sein Stellvertreter bzw. leitete die „kleine Tanzkapelle“, bis Fritz Schwalbach aus gesundheitlichen Gründen die Kapelle ganz an mich abgab. Durch meine Tätigkeit in der CDU, im Stadtrat und durch andere Verpflichtungen war ich so in Anspruch genommen, dass ich froh war, als Pfarrer Mayer von St. Maria mir den Kirchenmusikdirektor, Herrn Raimund Mattern, zur Seite gab, der bald darauf die Kapelle ganz übernahm. Erinnerungen an Fritz Schwalbach? – Viele Konzerte und schöne Fahrten haben wir mit der Kapelle gemacht, haben viel Wagner gespielt, und ich hoffe und wünsche, dass das Andenken an ihn in der Kapelle nie verloren gehen möge.“

Das Konzert zum 50-jährigen Bestehen der Kolpingkapelle war ein großer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.

 

Seit 1963 wird die Kapelle nun vom Kantor der Marienkirche Kaiserslautern, Raimund Mattern, geleitet. Als Schwalbachs und Schultz’ Nachfolger war es zunächst seine Aufgabe, die 50-jährige Tradition der Kapelle weiterzuführen und das Repertoire entsprechend auszuwählen. Ende der 60er Jahre war mit den immer weniger werdenden älteren Musikern keine zukunftsfähige Kapelle mehr zu tragen, weshalb verstärkt jüngere Leute für die Sache gewonnen werden mussten. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde die Kapelle mit einem Saxofonsatz bereichert und auch Mädchen als Mitglieder aufgenommen. Mit dem Generationswechsel musste auch das Repertoire auf mehr neuere Literatur umgestellt werden. Auch musste eine formal geordnete Vereinsstruktur aufgebaut werden. Aus dem Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 18.01.79: … „gewählte Vorstandsmitglieder: Karl-Heinz Klemens (Vorsitzender), Raimund Mattern (musikalischer Leiter). Karl Klein (Beisitzer), Karl Windschügl (Beisitzer), Winfried Mattern (Beisitzer). Karl-Heinz Klemenz (genannt „Schnorres“): Ich habe das beglückende Gefühl, dass in letzter Zeit ein größerer Zusammenhalt innerhalb unserer Kapelle besteht. Ein optimales Proben wird dadurch überhaupt erst möglich“.

 

Seit Mitte der 70er Jahre veranstaltet die Kapelle auch jährlich ein Konzert mit gehobener Blasmusikliteratur, welches sich bis heute als "Frühjahrskonzert" in der kaiserslauterer Orchesterszene etabliert hat. Die musikalische Gestaltung von Konzerten, Gottesdiensten, Pfarrfesten, Umzügen, Stadtfesten und Auslandsfahrten erfordert ein großes und breites Repertoire, um dessen Erweiterung Mattern ständig bemüht war. Durch Einsatzfreude und vielseitiges Engagement der Mitglieder ist es bald gelungen, die Kolpingkapelle Kaiserslautern zu einem leistungsfähigen Blasorchester, wie sie sich seit 1991 nennt, auszubauen. Im Laufe dieser Jahre entwickelte sich das bis dahin 40-50 Mitglieder zählende Kolpingblasorchester zu einem der wichtigsten und bekanntesten Kulturträger der Stadt Kaiserslautern, was nicht zuletzt ein Verdienst vom engagierten Raimund Mattern war, der 1992 zusätzlich auch noch das Amt des ersten Vorsitzenden des Kolpingblasorchesters übernahm.

 

Durch die Reisetätigkeit in den 80er und 90er Jahren nimmt auch die Völkerverständigung einen zunehmenden Raum in der Orchesterarbeit ein. Viele Jugendliche kamen wie ich in dieser Zeit zum Kolpingblasorchester. Als "Botschafter der internationalen Sprache Musik" lernte man Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Ländern kennen und schätzen, viele Freundschaften nahmen ihren Verlauf. 1984 wurde die erste USA-Reise im Rahmen eines internationalen Austauschprogrammes des "Blue Lake Fine Arts Camp" nach Michigan und Ohio durchgeführt. Ein Jahr später war man Gast der Kolpingkapelle in Linz, Österreich. 1986 besuchte man die kaiserslauterer Partnerstadt "Newham" in England. 1987 kamen der finnische Kammerchor aus Hamina und der Jugendchor aus Virolathi zu Besuch. Zwei Monate später dann der 2-wöchige Gegenbesuch in Finnland. 1988 stand keine Auslandsreise auf dem Programm, sondern ein Besuch des Kolpingblasorchesters in Emsdetten, anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der dortigen Kolpingfamilie. Im September 1988 waren für 4 Tage das Blasorchester aus Szombathely / Ungarn zu Gast, ebenso den Vasas Chor aus Budapest im April 1989. Im Austausch unternahm man im August 1989 eine 14-tägige Konzertreise nach Szombathely, Budapest und Balatonföldvar. Einen schon lang gehegten Wunsch erfüllte sich das Kolpingblasorchester im Oktober 1990 und besuchte die kaiserslauterer Partnerstadt Brandenburg. Das Konzert im Brandenburger Dom ist allen Musikern in beeindrucktender Weise in Erinnerung geblieben. Die USA-Reise war der Höhepunkt zum 80-jährigen Bestehen des Kolpingblasorchesters, nachdem zuvor der Chor und das Orchester der St.Ambrose University in den Familien der Lauterer Kolpingbläser untergebracht waren. Bei dieser Reise waren die Musikerinnen und Musiker in 6 verschiedenen Aufenthaltsorten überall in Privatfamilien untergebracht. Ein besonderer Höhepunkt war dabei der Besuch der Kolpingfamilie in Cincinnati, Ohio.

Eine 1988 herausgebrachte Schallplatte war ein klingendes Dokument der Arbeit Matterns weit über die Grenzen von Kaiserslautern und der Pfalz hinaus nach dem Motto "Musik kennt keine Grenzen"... Der engagierte Vorsitzende Karl-Heinz Klemenz (1974-1986) hatte mit seinen Ideen in dieser Zeit einen erheblichen Anteil am Höhenflug des Kolpingblasorchesters, ebenso wie seine Nachfolgerin Ursula Dendl (geb. Haase) 1987-1992.

Im Februar 1998 musste Dirigent und Vorsitzender Raimund Mattern aus gesundheitlichen und familiären Gründen alle Ämter niederlegen. Er widmete sich nun einzig und allein seiner schwer erkrankten Ehefrau. Aufgrund seiner besonderen Verdienste um das Kolpingblasorchester Kaiserslautern und der Volksmusik wurde Mattern während des Frühjahrskonzertes am 24. April 1999 zum ersten Ehrenmitglied des Kolpingblasorchesters Kaiserslautern ernannt und ihm wurde die Verdiensmedaille am Band als höchste Auszeichnung des Landesmusikverbandes Rheinland-Pfalz von Präsident Alois Geißer verliehen.

Bis August 1998 musste das Orchester unter dem neuen ersten Vorsitzenden Andreas Vicinus mit Dirigenten aus den eigenen Reihen (Ralf Schneider, Michael Scholz, Frank Lommel, Annette Bieniusa) auskommen und meisterte diese schwierige Zeit durch Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn. Einige verdiente Mitglieder machten aber auch einen „persönlichen Schnitt“ mit dem Ende der „Ära Mattern“ und verließen das Kolpingblasorchester, welches zum 01.01.1999 dann 31 aktive Musikerinnen und Musiker zählte.

Im Sommer 1998 konnte der 26-jährige studierte Orchestermusiker Jochen Lorenz als Dirigent für das Kolpingblasorchester Kaiserslautern gewonnen werden. Unter seiner Leitung wurde das Adventskonzert in der Marienkirche Kaiserslautern wieder regelmäßig durchgeführt und die Frühjahrskonzerte in der Neuen Eintracht Kaiserslautern neu belebt. Der musikalische Schwerpunkt von Lorenz lag in der symphonischen Blasmusik. "Ein neuer junger Dirigent, viele neue junge Gesichter in den Musikerreihen und viele neue moderne Musikstücke" – so könnte man das Jahr 1999 überschreiben.

Viele interne Aufgaben standen nun auf dem Programm: Renovierung des Probenraumes in der Unterkirche der Marienkirche, Archivierung der Noten, Mitgliederwerbung und Integrierung der neuen Musikerinnen und Musiker in die Gemeinschaft.

Im Jahr 2000 gestaltete das Kolpingblasorchester die Veranstaltungen um das 100-jährige Bestehen der Kolpingfamilie Kaiserslautern-Zentral, z.B. der Festakt mit dem Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz Kurt Beck. Es folgten weitere Auftritte auf der Landesgartenschau Kaiserslautern 2000 und am Festumzug zum Rheinland-Pfalz-Tag in Mainz. Auch die Präsenz im Internet wurde in diesem Jahr erfolgreich angegangen und umgesetzt – www.kolpingblasorchester.de - ist im nun WorldWideWeb vertreten.

Jochen Lorenz legt zum 31. August 2001 sein Amt als Dirigent nieder, wird Leiter der Musikschule in Kirn und verlegt auch seinen Wohnsitz in die nähere Umgebung. Er gibt den Dirigentenstab nach 3-jähriger engagierter Tätigkeit an Frank Wißmann aus Enkenbach weiter. Der 32-jährige Wißmann, selbst bei Jochen Lorenz in der erfolgreich abgeschlossenen Dirigentenausbildung, ist bei der katholischen Vereinskapelle Enkenbach groß geworden, dort erster Vorsitzender und im Kreismusikverband Kaiserslautern e.V. aktiv tätig. Im Vorstandsteam wurde mit einem Jugendausschuss ein Konzept zur Förderung des musikalischen Nachwuchses erarbeitet. Im Folgenden einige wichtige Eckpunkte: Im November 2002 wurde das Kolpingblasorchester als „eingetragener Verein“ beim Amtsgericht Kaiserslautern gemeldet. Von nun an konnten Fördermitglieder gewonnen werden und ein finanzieller Topf als Basis zur Finanzierung der Jugendausbildung entstehen. Mit Frank Wißmann wurde zum 1. März 2002 das erste Jugendorchester in der 90-jährigen Geschichte des Kolpingblasorchesters ins Leben gerufen (Leitung: Frank Wißmann und Andreas Vicinus). Es setzte sich zunächst größtenteils aus den Kindern der Bläserklasse der Kurpfalz-Realschule Kaiserslautern zusammen. Seit 2003 können Kinder in der „Kolpingmusikschule“ ein Instrument erlernen und nach einem Jahr im Jugendorchester anwenden. Engagierte Instrumentalisten aus den eigenen Reihen erteilen den wöchentlichen Unterricht (Andreas Vicinus Klarinette, Rico Nielin Schlagzeug, Monika Frey und Sabrina Roth Querflöte, Roland Merz Saxofon, später Richard Tebuckhorst Trompete und Thomas Zell Tiefes Blech). „Wir sind mit Recht stolz auf ein vorbildliches Gemeinschaftswerk, bei dem es immer um das Dienen und nicht um das Verdienen ging, um Gemeinschaft und Miteinander, um Musik und Vielfalt“, so der Vorsitzende Andreas Vicinus in seiner Festrede zum 90-jährigen Jubiläum des Kolpingblasorchesters Kaiserslautern im Jahr 2002. Seit 2003 gibt es eine offizielle „Kooperation Schule – Verein“ mit der Kurpfalz-Realschule plus Kaiserslautern. Unter dem Motto „Zu Gast bei Freunden“ fand 2006 die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland statt und Kaiserslautern war Spielort. Auf der WM-Meile gab das Kolpingblasorchester auf der Bühne Skipiolplatz am 25. Juni ein Open-Air-Konzert. Das Projekt „Bläserklasse im Musikverein“ wurde 2007 unter der Leitung von Andreas Vicinus erfolgreich gestartet. In der ersten Staffel lernten 17 Kinder ein Blasinstrument nach der Methode des Klassenmusizierens in zwei Wochenstunden Unterricht, unterstützt durch die Instrumentallehrer, das Fachgeschäft Musik Müller Kaiserslautern und finanziert durch die Beiträge der Eltern und Fördermitglieder. Jährliche Sommerfeste, Ausflüge mit den Familien der Musiker, Orchesterfreizeiten von Jugendorchester und Großem Orchester zur intensiven Vorbereitung der Frühjahrskonzerte tragen zur Festigung der Gemeinschaft bei und sind ein wichtiger Bestandteil im Vereinsleben.

Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum kann das Kolpingblasorchester Kaiserslautern 1912 e.V. stolze Ergebnisse aufzeigen: 135 aktive und 124 fördernde Mitglieder. Mit Bläserklasse, Jugendorchester und Großem Symphonischen Blasorchester kann der Verein auf musikalische Qualität, Kontinuität und Nachhaltigkeit aufbauen. Das Kolpingblasorchester Kaiserslautern hat damit im Kreismusikverband Kaiserslautern im Jahr 2012 die größte Aktivenzahl aufzuweisen, ist ein einmaliger Klangkörper im Kulturleben der Stadt Kaiserslautern und bestens für die Zukunft gerüstet.

 

Möge das Kolpingblasorchester Kaiserslautern noch lange tätig sein und musizieren, getreu dem Wahlspruch seines Gründers Fritz Schwalbach:

 

„Wir spielen zur Ehre Gottes, zur Erbauung unserer Mitmenschen und zur Freude der Musiker.“

 

 

 

Andreas Vicinus

(Stand: 12.Mai 2012; Zusammengetragen aus verschiedenen Teilchroniken des Vereins, originalen Dokumenten und Erzählungen von Zeitzeugen)

 

 

Termine

großes Orchester:
Allerheiligen
Do, 01. Nov 2018 14:30
Ehrenfriedhof auf dem Hauptfriedhof KL

Ohne Uniform aber angemessene, warme Kleidung. Notenständer und Wäscheklammer nicht vergessen.


großes Orchester, Jugendorchester:
Martinsumzug St. Norbert
Fr, 09. Nov 2018 18:00
St. Norbert, KL

Ohne Uniform aber warme Kleidung. Marschgabel und Wäscheklammer nicht vergessen.



Im Anschluss Imbiss und Umtrunk im Pfarrheim St. Norbert.



Anschließend Probe in St.Konrad 20.00-22.00 Uhr.


großes Orchester, Jugendorchester:
Martinsumzug St. Martin
So, 11. Nov 2018 18:00
Martinsplatz KL

Ohne Uniform aber in warme Kleidung. Marschgabel und Wäscheklammer nicht vergessen.



Im Anschluss Imbiss und Umtrunk im Edith-Stein-Haus.


großes Orchester:
Volkstrauertag
So, 18. Nov 2018 11:00
Ehrenfriedhof

Ohne Uniform aber angemessene Kleidung. Anschließend Imbiss und Umtrunk.


großes Orchester:
Totensonntag
So, 25. Nov 2018 11:00
FCK Ehrenmal

Ohne Uniform aber angemessene Kleidung.


großes Orchester:
Generalprobe Adventskonzert großes Orchester
Fr, 14. Dez 2018 18:30
Marienkirche Kaiserslautern
Blserklasse:
Generalprobe Adventskonzert Blserklasse
Sa, 15. Dez 2018 11:00
Marienkirche Kaiserslautern
Jugendorchester:
Generalprobe Adventskonzert Jugendorchester
Sa, 15. Dez 2018 12:00
Marienkirche Kaiserslautern
großes Orchester, Jugendorchester, Blserklasse:
Adventskonzert
So, 16. Dez 2018 17:00
Marienkirche Kaiserslautern

Treff zum Aufbau und Einspiel um 15 Uhr.



Anschließend Adventsfeier im Pfarrheim St. Maria. Bitte vorher anmelden!


großes Orchester, Jugendorchester:
Weihnachtsmarkt
Fr, 21. Dez 2018 18:00
Bühne am Schillerplatz

Ohne Uniform. Notenständer und Handschuhe nicht vergessen! Heute keine Probe.


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